Kleine Frauenallee – Sichtbarkeit von Frauen im Stadtbild Sinsheims
Geschichte ist auf den ersten Blick häufig mit den Namen bedeutender Männer verknüpft. Nicht, weil Männer mehr leisten als Frauen, sondern weil sie in der Vergangenheit häufiger im Rampenlicht standen als Frauen.
Auch in Sinsheim sind Frauen im Stadtbild unterrepräsentiert. In der Kernstadt gibt es rund 50 Straßen, die nach Männern benannt sind. Gerade einmal zwei Straßen tragen Frauennamen: Der Annagrund und die Clara-Schuhmann-Straße. Namen von Sinsheimerinnen sucht man vergeblich.
Auf Initiative des Stadtarchivs Sinsheim sowie Vertreterinnen des Sinsheimer FrauenTreffs und des Vereins Aufbruch e.V. entstand in Kooperation mit der Kraichgau-Realschule ein Projekt, das sieben Sinsheimerinnen in den Fokus rückt und einen öffentlichen Raum schafft, der an ihr Leben und Wirken erinnert. Auf dem Schulhof der Kraichgau-Realschule ist die „Kleine Frauenallee“ entstanden. Jeder der Frauen wurde hier jeweils ein Baum gewidmet.
Die offizielle Einweihung am vergangenen Freitag wurde von Dauerregen begleitet. Der Freude der Projektbeteiligten und der zahlreichen Gäste tat dies hingegen keinen Abbruch. „Den Regen haben wir zwar nicht bestellt, er ist aber sicher im Sinne der Bäume – und damit der Frauen, für die sie stehen“, fasste Sabine Lager, stellvertretende Schulleiterin, es zusammen.
Oberbürgermeister Marco Siesing hob in seiner Begrüßung die Bedeutung der Kleinen Frauenallee als sichtbares Zeichen der Wertschätzung hervor. „Sie erinnert daran, dass Geschichte immer von Frauen und Männern gemeinsam geschrieben wird.“ Sein Dank galt den Initiatorinnen des Projekts um Verena Dörrich vom Stadtarchiv sowie den Schülern der Kraichgau-Realschule und deren Lehrern.
Dörrich moderierte die Eröffnungsveranstaltung, in deren Verlauf Schüler der Kraichgau-Realschule die Biografien der Sinsheimer Frauen vorstellten. Sophie Laurop, Katharina Antony, Tina Sidler, Elisabeth „Else“ Reeb, Else Schwenn und der als „Kersche Jule“ bekannten Juliana Trieb ist jeweils ein Baum gewidmet. Von letztgenannter nahmen Familienmitglieder an der Eröffnung der Kleinen Frauenallee teil – passenderweise waren sie mit einem Korb voller frisch geernteter Kirschen angereist, die sie unter den Gästen verteilten.
An den Bäumen wurden Schilder mit den Namen und Porträts der Frauen angebracht. Über QR-Codes gelangt man auf die Homepage des Landesfrauenrats Baden-Württemberg, wo bis zum Ende des Schuljahres für jede der Frauen ein digitales Porträt hinterlegt werden wird.
Für den Landesfrauenrat sprach die Vorsitzende Dr. Ute Mackenstedt, die extra aus Stuttgart zur Veranstaltung angereist war. Sie stellte das Projekt Frauenerinnerungsorte vor, das auf der Homepage des Bündnisses in einer interaktiven Landkarte die Orte im Land darstellt, an denen an das Leben und Wirken von Frauen erinnert wird. „Frauen brauchen einen Raum der Würdigung“, hob sie hervor. „Hier an der Schule ist ein genialer Ort dafür.“
In Sinsheim gibt es seit Jahrzehnten Initiativen von Frauen, die sich für mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung einsetzen. Monika Möhring ist eine der Frauen, die sich seit Jahrzehnten mitengagiert. Zum Abschluss des offiziellen Teils nutzte sie die Gelegenheit, sich mit bewegenden Worten dafür zu bedanken, dass der langgehegte Wunsch der Sinsheimer Frauen nach mehr Repräsentation im öffentlichen Raum umgesetzt wurde: „Mein Herz geht auf!“
Einen stimmungsvollen Ausklang fand die Veranstaltung mit zwei Liedern, die Leila Ullmann, Lehrerin an der Kraichgau-Realschule, gemeinsam mit Schülerin Nea sang und an der Gitarre begleitete.
Gebannt lauschten die Zuhörer den kraftvollen Stimmen der beiden, die mit „Augen auf!“ und „I will survive“ zwei Lieder gewählt hatten, die die Botschaft des Nachmittags aufgriffen.
Text:Zugesandt von Melanie Wricke Stadtmarketing Sinsheim
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